Begegnungsstätte PRO

Neue Krugallee 4, 12435 Berlin

 

Bund der Antifaschisten Treptow e.V.

Begegnungsstätte PRO
Neue Krugallee 4, 12435 Berlin
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ERINNERN - ist Lernen, Studieren der Vergangenheit, Nachdenken über gesellschaftspolitische Zusammenhänge

ERINNERN - ist Pflege antifaschistischer Kultur und Kunst

ERINNERN - ist Geschichte wachhalten, Weitergabe an die junge Generation

ERINNERN - ist wissen wollen, was sich während der Zeit des deutschen Faschismus ereignete-warum und wie eine Wiederholung zu vermeiden ist

Ellen Händler
BdA Treptow e.V.
Dezember 2017

In Treptow ist vieles anders. So auch die antifaschistische Arbeit vor und nach der Wende. Im Kreiskomitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer waren einmal mehr als 1000 VdN Mitglieder oder Angehörige organisiert. Sie wirkten ehrenamtlich in unterschiedlichsten Kommissionen, so zur Geschichte bestimmter Widerstandsgruppen, in der Sozialkommission, als Zeitzeugen in Schulen und Arbeitsbrigaden, für die Benennung von Straßen und auch in der Forschung. Das Archiv umfasste eine Sammlung von Lebensläufen, Zeugnissen aus dem Leben dieser Treptower Antifaschisten, ihr zum Teil schwieriger und aus heutiger Sicht nicht akzeptabler Weg zur Anerkennung als Opfer oder Kämpfer gegen den Faschismus.

Nachdem Walter Sack fast durchgehend seit 1961 Bezirksbürgermeister von Treptow war, übernahm er nach seinem Ausscheiden 1974 ehrenamtlich die Leitung des Kreiskomitees. Seine aktivsten Mitstreiter wurden Heinz Blume, Vera Ansbach, Hella Händler und Bruno Gattel. Mit ihnen baute er einen der aktivsten Verbände in Berlin auf. Legendär wurde der jährliche Besuch der „Distel“, die Feiern zum Frauentag, viele interessante politische und kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen, regelmäßige Wanderungen durch die Umgebung Berlins, die Arbeit mit den Betreuern. Besonders die Arbeit der Sozialkommission, die monatlich Sprechstunde abhielt, um die Mitglieder und die Angehörigen vor allem in gesundheitlichen und persönlichen Dingen zu beraten, wirkte über den Bezirk hinaus. Das Bezirksamt unterstütze die Arbeit durch eine Fürsorgerin für VdN und durch die Überlassung des Traditionskabinetts mit einer Dauerausstellung zum Widerstand.

Als Reaktion auf die Schändung des Sowjetischen Ehrenmals in Treptow zum Jahreswechsel 1989/90 bildete sich spontan eine Initiativgruppe, die sich antiFa Treptow, Bund der Antifaschisten, nannte und die angesehene Bürger des Bezirks und Mitstreiter aufrief, den antifaschistischen Kampf nicht aufzugeben, sondern aktiv mitzuwirken. 40 Persönlichkeiten unterzeichneten den Gründungsaufruf, darunter die Schauspieler Gerry Wolff, Lotte Loebinger, Christel Bodenstein und Willi Schwabe, die Schriftstellerinnen Ruth Werner und Gisela Karau, Walter Bartel vom Internationalen Buchenwald-Komitee, der Historiker Ernst Engelberg, der Graphiker Oliver Harrington, der Musikwissenschaftler Dieter Zechlin, der Filmregisseur Günter Reisch u.a. Viele Widerstandskämpfer, politisch Interessierte, aber auch Vertreter der Kirchen fühlten sich verpflichtet, die Rolle des Antifaschismus in der Gesellschaft neu zu bestimmen, ihn vor jeder Enge, Einseitigkeit und parteipolitischer Instrumentalisierung zu bewahren. Die Initiatoren wollten die guten antifaschistischen Traditionen weiterführen, weiße Flecken benennen und aufarbeiten, sich aber auch gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus in Deutschland einsetzen. Diesen Aufruf der Initiativgruppe unterstützten 400 zum Teil national und international bekannte Persönlichkeiten mit Ihrer Unterschrift aber auch mit Spenden. Aus dieser erfolgreichen Aktion ging die Gründung von „antiFa-Treptow“ am 3. März 1990 und die Eintragung als gemeinnütziger Verein im April 1990 hervor. Mitglieder des Vereins wurden ca. 300 VdN-Kameraden und ca. 100 Mitstreiter vorwiegend erst nach dem Krieg geborene. Von Beginn an war klar, dass wir den Weg gemeinsam mit dem Kreiskomitee der Widerstandskämpfer, die dann Bezirksorganisation Treptow von VdN (BVVdN) wurde, gehen. Im neu gewählten Vorstand widerspiegelte es sich. So wurde schnell entschieden, dass das Traditionskabinett auf die neuen Bedürfnisse von antifa Treptow auszurichten ist. Das Düstere der Ausstellung und das stark auf den Widerstand bestimmter Opfergruppen gerichtete musste dem offenen Raum und Geist weichen. Gemeinsam mit dem Bezirksamt (Kultur, Bildung) und dem Arbeitsamt erfolgte der Umbau und die Einrichtung einer modernen neuen Begegnungsstätte. Wir nannten sie Pro. Von nun an fanden hier monatlich mindestens 2 Veranstaltungen, viele Ausstellungen statt, wurde eine antifaschistische Bibliothek geschaffen. Zu den Höhepunkten zählten und zählen die jährlichen Feiern zum Tag der Befreiung am sowjetischen Ehrenmal in Treptow und zum Gedenktag für die Opfer der NS-Pogromnacht vom November 1938.

Persönlichkeiten von Rang und Namen kamen mit uns hier in Gespräch: Altbischof Schönherr, Lothar de Maizière, Manfred Bofinger, Walter Womacka, Karl Gass, Gregor Gysi, Schriftsteller wie Herrmann Kant, Elfriede Brüning, Rosemarie Schuder, Walter Kaufmann, um nur einige zu nennen.

Anziehungspunkte ersten Ranges waren zahlreiche Ausstellungen in unserer Begegnungsstätte PRO, z.B. „Juden in Treptow“, „Deutsche in der Resistance“, „Rechtsextremismus und Antifaschismus vor unserer Haustür“, „Jugendliche sehen unsere Umwelt“.

Schon in den ersten Jahren seines Bestehens entwickelte der BdA-Treptow wichtige Projekte wie: „Jugend und antifaschistischer Widerstand in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, „Frauen im Widerstand“, „Zwangsarbeiter während des 2. Weltkrieges“, „Treptower Schulen gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit“, „Lern- und Lehrmittel über den Nationalsozialismus“. Dafür wurden für 49 Kolleginnen und Kollegen ABM-Stellen eingerichtet. Besonders enge Beziehungen verbanden und verbinden uns mit den Schulen des Bezirks, mit Schülern und Pädagogen. So hat unser inzwischen verstorbenes Mitglied Dr. Klaus Sternberg in Tausenden von Unterrichtsstunden antifaschistische Geschichte vermittelt, wofür ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Hohen Stellenwert hatten bei Schülern und Lehrern die Exkursionen mit ehemaligen Häftlingen, unseren Zeitzeugen, zu Gedenkstätten des Widerstandes nach Sachsenhausen oder Ravensbrück. Unser Verein wurde zu einem wichtigen Teil der antifaschistischen Forschung und Kommunikation vor allem mit Jugendlichen und Schülern. Besonders die Vorbereitungen zu Stolpersteinlegungen brachten Alte und Junge zusammen. Über 40 solcher Steine wurde auf unsere Initiative hin in Treptow verlegt.

Als im Jahr 2000 die Organisationen der VVN – Bund der Antifaschisten West und der VdN Ost sich vereinigten, war wiederum Walter Sack der treibende Geist für eine vollständige Vereinigung unserer beider Organisationen in Treptow. Anders als in anderen Berliner Bezirken schlug er mit Blick auf die Zukunft vor, dass die Bezirksorganisation Treptow von VdN sich dem damals schon umbenannten Verein „Bund der Antifaschisten Treptow e.V.“ vollständig anschließt. Dies erfolgte im Jahr 2002. Das bedeutete dann auch, dass die Mitgliedsbeiträge der VdN-Kameraden nun nicht mehr wie bisher an die Berliner Vereinigung abgeführt wurden, was nicht überall in Berlin auf Verständnis stieß.

Heute nach 27 Jahren besteht BdA Treptow fort. Unsere Begegnungsstätte Pro musste im Jahr 2015 in das Rathaus Treptow umziehen. Wir werteten das Angebot des Bürgermeisters, uns neue attraktive Räume zu geben, auch als ein Zeichen der guten kooperativen antifaschistischen Zusammenarbeit in Treptow.

Kurzum: In den 27 Jahren ist der BdA-Treptow zu einem wichtigen und unverzichtbaren Partner der antifaschistischen Arbeit im Bezirk und darüber hinaus geworden, und noch immer einer der größten antifaschistischen Vereine der Hauptstadt.