Begegnungsstätte PRO

Neue Krugallee 4, 12435 Berlin

 
  Initiative Stolpersteine
Stolpern

Initiative "STOLPERSTEINE"

Der Satzung des Bundes der Antifaschisten Treptow gemäß gehört es zu seinen Zielen, Faschismus und Neofaschismus, Rechtsextremismus und Rassenhass entgegen zu treten. Zugleich gilt es aber auch, gegen die Gleichgültigkeit.zu kämpfen, denn Gleichgültigkeit ist der Gegner von Menschlichkeit! Wir denken, dass uns STOLPERSTEINE dabei helfen können. Denn die Steine sind dem Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes gewidmet. Sie erinnern an Gewesenes, das nie vergessen werden darf. Auch sind sie dazu bestimmt, dass Menschen heutiger und späterer Generationen bei ihrem plötzlichen Anblick im übertragenen Sinne STOLPERN und verharren, ins Grübeln über die Bedeutung dieser Gedenksteine kommen, das menschenfeindliche Wesen des Faschismus wahrnehmen. STOLPERSTEINE sollen dazu beitragen, dass Menschen nicht gleichgültig sind, sondern sich der Fremdenfeindlichkeit, dem Rassenhass und dem Antisemitismus entgegenstellen. Die STOLPERSTEINE sind 10x10 cm große Messingplatten, mit den eingravierten Namen und Lebensdaten, Daten und Zielen der Deportationen von Männern und Frauen, von Kindern und Greisen, eingemauert im Gehweg vor den Häusern, in denen die Ermordeten einst gelebt hatten. Wer aufmerksam durch Berlin geht, wird über viele solcher Steine STOLPERN. Von mindestens 170 Treptower Juden wissen wir, dass sie in der Zeit von 1941 bis 1943 von den deutschen Faschisten vor den geschlossenen oder oft auch offenen Augen ihrer Nachbarn deportiert und in den Tod geschickt wurden. Auch andere ereilte dieses Schicksal - denken wir an Sinti und Roma, an Andersdenkende und politisch Verfolgte, an Bekennende Christen, an Angehörige von Sekten, an verfemte Homosexuelle, an Opfer der Euthanasie und an viele mehr, die einfach verschwunden sind. Denken wir an die Unzähligen, für die es nirgendwo ein Grab gibt. Auch ihnen wollen wir STOLPERSTEINE setzen. Aus diesem Grund haben wir uns 1995 der von dem Kölner Bildhauer Gunter Demnig ins Leben gerufenen Initiative angeschlossen. Bundesweit hat der Künstler bereits etwa 6000 STOLPERSTEINE angefertigt und verlegt! Auch in Treptow sollten unsere Mitbürger über das Schicksal der Opfer von Faschismus und Rassenwahn STOLPERN. In diesem Sinne haben wir als eine unserer Aktionen die Arbeitsgruppe "Initiative STOLPERSTEINE" geschaffen. Ermöglicht durch Spenden und mit Unterstützung der Bezirksverordnetenversammlung und des Bezirksamtes Treptow-Köpenick liegen nun nach langer Vorbereitung seit dem 9. Juni 2005 in Treptow die ersten STOLPERSTEINE: Sie erinnern an 5 Mitglieder der Familie Lustig/Seelig/Gottfeld vor der Haustür Rethelstraße 6a in Nord-Treptow und an das Ehepaar Baerwald vor dem Haus Dörpfeld-Straße 23 in Adlershof. Weitere STOLPERSTEINE werden folgen. Wiederum sollen die Gedenkstunden zur Einweihung würdig und eindrucksvoll durch Schülerinnen und Schüler vorbereitet und gestaltet werden.

Übrigens ist der Bund der Antifaschisten Treptow immer dankbar für Informationen über Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben und für die es STOLPERSTEINE geben sollte. Es könnten auch Patenschaften übernommen oder etwas zur Finanzierung beigetragen werden (ein Stein kostet 95 €, Verwaltungskosten entstehen nicht).


Wir wollen keines der Opfer vergessen!
Bund der Antifaschisten Treptow e.V. ,

Konto Nr. 581070102 bei der Postbank Berlin BLZ 10010010, Kennwort "STOLPERSTEINE"
Für Spendenbescheinigung bitte Namen und Anschrift angeben..

Stolpern, heißt auch darauf stoßen

Am 9. Juni 2005 wurden in Adlershof die ersten zwei Stolpersteine eingeweiht. Sie liegen Dörpfeldstraße 23 Ecke Friedenstraße. Adlershofer Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Geschichte der Anna-Seghers-Schule waren beteiligt. Letztere hatten ein kleines Programm vorbereitet, dass dem Anlass angemessen war. Die Namen der dreißig jüdischen Opfer des Nationalsozialismus wurden verlesen, etwas zur Geschichte des Ortes aus dieser Zeit, vom Ortschronisten Rudi Hinte zusammen getragen, wurde verlesen. Frau Mendel, Bezirksstadträtin und Tochter eines Antifaschisten, der Jahre seines Lebens in Konzentrationslagern gelitten hatte, sprach sehr persönliche Worte. Blumen wurden nieder gelegt. Der Gemüsehändler von der anderen Straßenseite erklärte seinen Kunden, um was es denn bei der Veranstaltung geht. Leute blieben stehen, sahen sich die beiden Steine an. Vielen von ihnen wird bekannt sein, dass es bei den Stolpersteinen darum geht, sich an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politisch anders Denkender, Homosexueller, Bibelforscher und Behinderter Menschen durch die Nationalsozialisten zu erinnern. Initiiert wurde diese Form des Erinnerns durch den Künstler Gunter Demnig. Ich bin ihm für diese Idee persönlich sehr dankbar. Durch die Verlegung der Steine in der Skalitzer Straße haben meine Großeltern ein Grab und ich einen Platz, zu dem ich gehen kann. Wenn auch nichts von ihren Körpern dort ist, so sind sie doch nicht vergessen. Menschen lesen auf der 10 mal 10 cm großen Messingplatte, dass sie dort gelebt haben und in Auschwitz getötet wurden. Vielleicht fragt der eine oder andere Anwohner nach dem Wie und Warum. Und vielleicht denken sie darüber nach, dass alle Menschen das Recht haben zu leben, egal welche Lebensweise sie haben oder wie sie religiös gebunden sind. Die ersten beiden Stolpersteine in Adlershof wurden zwei Menschen gewidmet, die hier von 1896 bis 1933 gelebt und gearbeitet haben. Wilhelm Baerwald und seine Frau Margarethe, geborene Grünberg. Sie müssen 1896, er damals neunundzwanzig, sie vierundzwanzig Jahre alt, nach Adlershof gezogen sein. Wilhelm Baerwald war seit 1896 Mitglied der Synagogen - Gemeinde Köpenick, die 1892 auf Drängen des Regierungspräsidenten von Potsdam und auf Veranlassung des damaligen Köpenicker Bürgermeisters Borgmann gegründet wurde. Viel eher wäre das auch nicht möglich gewesen. Es gab einfach zu wenige jüdische Männer in unserem Verwaltungsbezirk. Durch die Liste der wahlberechtigten Gemeindemitglieder wissen wir von Wilhelm Baerwald. Damals lebten er und seine Frau in der Bismarckstraße 6 (heute Dörpfeldstr.23), in dem Eckgeschäft, in dem heute die Optiker Hidde & Miethke arbeiten. Bis 1933 haben Baerwalds ihr Geschäft für Kurz und Weißwaren, Herrenartikel betrieben. Ob sie sich vor oder nach dem 1. April 1933, dem Tag des großen Boykotts aller jüdischen Geschäfte in Deutschland, zur Aufgabe des Geschäftes entschlossen haben, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Damals war er 66 und sie 62 Jahre alt. Als sie am 14.September 1942, ein dreiviertel Jahr nach der Wannsee-Konferenz , mit dem 2.großen Alterstransport nach Theresienstadt deportiert wurden, waren sie 75 und 71 Jahre alt. Im Gedenkbuch der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in Deutschland von 1933-1945 steht, dass Wilhelm Baerwald im Mai 1943 starb. Von seiner Frau, Margarethe, ist nicht einmal der Monat oder das Jahr ihres Todes bekannt.

Monika Becker



Wo sind bisher Stolpersteine in Treptow-Köpenick gelegt ?

2003

für Dr. Georg Eppenstein Opfer der Köpenicker Blutwoche Salvador-Allende-Str. 43-45 mit der Merian-Oberschule und dem Bürgerverein Allende-Viertel Köpenick e.V.

2005

für Ehepaar Hedwig und Leo Lustig ermordet in Auschwitz

für Ehepaar Ingeborg und Max Seelig und Frau Selma Gotthelf ermordet in Riga Rethelstr. 6a mit der Bouche`-Grundschule

für Ehepaar Margarethe und Wilhelm Baerwald ermordet in Theresienstadt Dörpfeldstr. 23 Ecke Friedenstraße mit der Anna-Seghers-Oberschule

für Ehepaar Clara Fichtmann ermordet in Auschwitz und Leo Fichtmann erschossen in Sachsenhausen Albert-Einstein-Str. 15 mit der Anna-Seghers-Oberschule

für Ehepaar Rosa Bernstein ermordet in Theresienstadt und Bruno Bernstein ermordet in Auschwitz Alt-Köpenick 18 mit der Flatow-Oberschule

für Otto Dunkel als KZ-Häftling mit der "Cap Arkona" am 3.Mai 1945 in der Ostsee versenkt Spreestr. 1 mit der Anna-Seghers-Oberschule, dem Archenhold-Gymnasium und dem Otto-Dunkel-Chor. Dieser Stein wurde gestohlen und am 28.10.2005 mit einer großen Kundgebung neu verlegt.


2006


für Pfarrer Werner Sylten ermordet im Schloss Hartheim bei Linz, Ostendorfstr. 19 auf Initiative seiner Söhne mit der Evangelischen Schule Köpenick und dem Bürgerverein Wendenschloß

für Mathilde Müller und die Tochter Margot Willdorf ermordet in Auschwitz, den Sohn Rudolf Willdorf ermordet in Riga Königsheideweg 269 mit der 10. Schule - Gymnasium

Für die Brüder Franz Kirsch gestorben im Zuchthaus Brandenburg und Fritz Kirsch ermordet im KZ Sachsenhausen Wassermannstr. 69 mit dem Jugend- Projekt Kontrollverluste



Hier noch einige organisatorische Angaben: Ein Stein kostet 95 €. Bisher wurde dieses Geld durch private Spenden, Sammlungen und Patenschaften aufgebracht. Für den Bezirk Treptow-Köpenick sind inhaltliche und technische Erfordernisse in einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin und den BdA Treptow und Köpenick festgelegt. Für Berlin besteht eine Koordinierungsstelle Stolpersteine mit Sitz in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die die Wünsche aus den Bezirken auf Verlegung sammelt und mit dem Künstler Demnig organisiert.
Tel. 263 98 90 14 e-mail: Stolpersteine@GDW-Berlin.de

Kontaktadressen für Stolpersteine:
Bund der Antifaschisten Treptow e.V. Kiefholzstr. 275 in 12437 Berlin Tel. 53 286 44 E-mail: bda-treptow@web.de oder Frau Nisch Tel. 0179 344 3190
VVN-Bund der Antifaschisten Köpenick e.V. Puchanstr.12 in 12555 Berlin Donnerstag von 15 - 17 Uhr Tel. 65 714 67 sonst Frau Wichmann 65 163 67 E-mail: Hanna.Wichmann@gmx.net